Gibt es in der Entwicklungszusammenarbeit nicht wirklich Wichtigeres als offene Daten? Es gibt in der Tat viele sehr wichtige Themen, um die Armut in weiten Teilen der Welt zu bekämpfen. Das OpenAid Projekt der Open Knowledge Foundation ist überzeugt, dass Transparenz und detaillierte, offene Daten die Voraussetzung dafür sind, um die Entwicklungszusammenarbeit in allen Sektoren (Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit, etc.) effizienter zu gestalten. Wichtig für die Entwicklungszusammenarbeit sind beispielsweise offene Daten über soziale, wirtschaftliche Entwicklungen, Klimadaten oder zu landwirtschaftlicher Produktion und zum Handelsverkehr. Ganz zentral für die Entwicklungszusammenarbeit sind auch offene Projektdaten, insbesondere zu den Finanzflüssen.

Claudia Schwegmann präsentiert IATI:

Gegenwärtig ist es kaum möglich für ein beliebiges Entwicklungsland Daten darüber zu finden, welcher Geldgeber, mit welchem Budget Aktivitäten durchführt, mit welchen lokalen Partnerorganisationen und in welcher Region eines Landes. Weder die Steuerzahler und Spender im Norden, noch die Bürger von Entwicklungsländern im Süden sind in der Lage sich einen aktuellen Überblick über alle Projektaktivitäten zu schaffen, geschweige denn diese Projektaktivitäten nachzuverfolgen. Solche Überblick-Informationen sind unerlässlich, um Koordination und Kooperation zu ermöglichen, um Planung zu verbessern, um Korruption zu bekämpfen und um Rechenschaftslegung zu stärken.
 

Um dieses Problem zu beheben ist 2008 ein internationaler offener Datenstandard im Rahmen der International Aid Transparency Initiative (IATI) gegründet worden. Das OpenAid Projekt der OKFN engagiert sich seit 2009 durch Öffentlichkeitsarbeit und Advocacy für die Umsetzung dieses offenen Datenstandards in Deutschland. In 2012 hat OpenAid darüber hinaus auch eine Visualisierung der deutschen Entwicklungszusammenarbeit seit 2000 erstellt, um den Mehrwert von offenen Daten zu illustrieren und eine bessere Analyse der Finanzflüsse zu ermöglichen. Bisher beruht diese Visualisierung jedoch auf nicht offenen Daten bis 2010. Bei einer Umsetzung von IATI, könnte Offene-Entwicklungshilfe.de auf offene und aktuelle Daten darstellen.

Die gute Nachricht ist, dass das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) Mitbegründer von IATI ist und Ende 2012 nach langer Verzögerung endlich einen Plan vorgelegt hat, nach dem die BMZ Daten im IATI Standard veröffentlicht werden sollen. Bis Ende März 2013 wird das BMZ erste Daten im IATI Standard bereitstellen.

Die schlechte Nachricht ist, dass bis März nur etwa 30% der deutschen offiziellen Entwicklungsgelder (ODA = official development aid) und auch nur ein Teil der BMZ Mittel veröffentlicht werden. Darüber hinaus gibt es bis her auch noch keine Anzeichen dafür, dass die Landesregierungen und andere Ministerien, die allein für 28% der ODA Mittel stehen mit dem IATI Standard vertraut sind, geschweige denn den Standard umsetzen werden. Auch die nichtstaatlichen Organisationen und politischen Stiftungen befassen sich bisher kaum mit IATI.

Seit 2012 ist die Umsetzung von IATI durch die nichtstaatlichen Organisationen eine Priorität für OpenAid, auch wenn das Interesse seitens der nichtstaatlichen Organisationen bisher sehr gering ist. Während international bereits an die 100 NGOs und Stiftungen den IATI Standard umgesetzt haben, ist das internationale Sekretariat von Transparency International in Berlin die einzige Organisation in Deutschland, die IATI umsetzt. In den Niederlanden und den USA mobilisieren die nationalen NGO Netzwerke Partos und Interaction ihre Mitglieder für offene Daten und IATI. Auch in Finnland, Schweden, Canada und Tchechien gibt es Initiativen seitens der nationalen Netzwerke oder einzelner NGOs, um die Umsetzung von IATI zu fördern. Erste positive Schritte in Deutschland war ein Workshop zu IATI, den OpenAid zusammen mit dem deutschen NGO Netzwerk VENRO Anfang Dezember 2012 durchgeführt hat. Trotz anfänglicher Bedenken reagierten die Vertreter der Hilfsorganisationen positiv auf die Vorstellung von IATI und das VENRO Sekretariat hat beschlossen, dieses Thema weiter zu behandeln. Auch die Präsentation von IATI durch die OpenAid auf der Preisverleihung des Transparenzpreises 2012 von PricewaterhouseCooper Ende November war eine gute Gelegenheit, um mit Geschäftsführern und Vorständen der deutschen NGOs ins Gespräch zu kommen. Diese Gespräche werden 2013 sicher fortgeführt werden, mit dem Ziel, dass deutsche NGOs anfangen, den IATI Standard umzusetzen und einen Beitrag dazu leisten, das System der Entwicklungszusammenarbeit insgesamt transparenter zu machen.