Nach mehreren Jahren in der Übergangsphase ist govdata.de nun endlich überarbeitet. 126.000 Euro wird 2016 in den Betrieb des Portals investiert. Das ist gut, denn die bisherige Version hatte zahlreiche Unzulänglichkeiten. Was ist nun mit dem Relaunch vom 19.01.2016 wirklich neu?

Die Seite ist intuitiver und klarer gestaltet und bietet einige neue Funktionen. Nutzer können jetzt den Umfang der Ergebnistreffer deutlich besser an ihre eigenen Anforderungen anpassen, statt von einer großen Zahl oft nur begrenzt hilfreicher Datensätze erschlagen zu werden. Eine der größten Schwächen des bisherigen Portals war die fehlende Filtermöglichkeit nach bestimmten Gebieten oder Bundesländern. So konnte es passieren, dass eine Suche nach Bundestagswahl dutzende Ergebnisse aus Rheinland-Pfalz lieferte, die in der Regel wichtigeren Daten auf Bundesebene jedoch weit hinten in den Ergebnissen lieferte. Mit der “Kartensuche” können Nutzer nun auf einer Karte einen Bereich markieren, auf den ihre Ergebnisse räumlich eingegrenzt werden. Das ist besonders hilfreich, wenn man sich alle verfügbaren Datensätze für eine Region ansehen möchte, unabhängig davon, ob sie von Bund, Land, Kreis oder Gemeinde kommen. Eine Filtermöglichkeit “Bundesland” existiert aber immer noch nicht, was nur wenige Klicks erfordern würde, statt relativ aufwändig auf einer Karte auswählen zu müssen.

Die Überarbeitung stand unter der Verantwortung Hamburgs, das mit seinem Transparenzportal mit bis zu zwei Millionen Seitenansichten pro Monat regelmäßig mehr Besucher auf ihre Seite zieht als GovData.de und somit in puncto Nutzbarkeit einiges an Vorerfahrungen mitbringt. Wie die Nutzer die überarbeitete Seite finden, wird sich jedoch erst zeigen.

Wenig bis keine Neuerungen scheint es hinsichtlich der Anzahl der Datensätze und der Qualität der Daten zu geben. Mit dem heutigen Tag (20.01.2016) sind rund 15.500 Datensätze bei GovData online. Das ist ein ein Drittel mehr als im Januar vor einem Jahr, als das Portal 9700 Datensätze aufwies, trotzdem aber deutlich weniger als bei vergleichbaren Portalen etwa in Großbritannien und Kanada. Der Anteil der eingeschränkt nutzbaren Daten ist inzwischen eindeutig gesunken, 2250 unfreie Datensätze stehen 13.250 frei nutzbaren Datensätzen gegenüber. Trotzdem sind dies immer noch knapp 15 Prozent (Stand 20.01.2016). Zwischendurch war dieser Anteil bis auf über ein Viertel gestiegen.

Wirklich entscheidend für die Nutzer ist aber die Qualität der Daten. Hier hat es seit dem letzten Jahr keine Fortschritte bei wirklich relevanten Datensätzen gegeben. Das belegt der kürzlich von Open Knowledge herausgegebene Open Data Index. Wenig bis keinen offenen Zugang gibt es nach wie vor zu Regierungsausgaben, Landeigentumsdaten, Daten zu Wasserqualität und Wettervorhersagen. Auch Wahlergebnisse liegen nicht auf Ebene der Wahllokale vor, sondern maximal auf Wahlkreisebene. Das es darüber hinaus an der Qualität einzelner Verlinkungen und Nennungen im Portal hapert, illustrieren die Tweets Mathias Schindlers, der sich am Tag des Relaunchs 40 Datensätze angesehen und dabei 35 Fehler gefunden und gemeldet hat.

Das neue Design und die neuen Funktionalitäten sind wichtige Schritte, um govData.de nun weiter mit Daten und Leben zu füllen. Hilfreich hierfür wäre ein Signal aus dem Kanzleramt, dass das Einstellen von qualitativen Daten sowie deren Pflege für Bund und Länder verpflichtend macht, finanzielle sowie personelle Ressourcen bereitgestellt werden und Verwaltungsmitarbeiter in Schulungen an das Thema herangeführt werden. Das ist derzeit nur in wenigen Städten und Kommunen wie in Hamburg, Bremen und in Rheinland-Pfalz mit einem Transparenzgesetz geregelt. Für alle anderen gilt das Prinzip der Freiwilligkeit.

Vorschläge zu konkreten Datensätzen und allgemeines Feedback zum Portal können hier eingebracht werden.