Photo by Marieke Guy under CC BY 2.0

Vom 15. bis 17. Juli 2014 fand auf dem Gelände der Berliner Kulturbrauerei das diesjährige OKFestival 2014 statt. Dabei machte nicht nur das gute Wetter das etwas andere Festival zu einer großartigen Veranstaltung. Über drei Tage trafen an jeder Ecke der ehemaligen Brauerei kleine Gruppen zusammen, um fleißig Ideen und Visionen zu offenem Wissen zu diskutieren oder gleich vor Ort in die Tat umzusetzen. Von Graffiti-Wänden zu „linked Budgets“, von der Zerstörung von Druckern bis hin zu einem sozialen Vertrag für offene Daten - viele Veranstaltungen, Workshops und Keynotes zu allen Themen rund um Offenheit konnten hier besucht werden. Einziges Problem: Man konnte leider nicht an fünf Orten gleichzeitig sein!

Was war: Viel Austausch, großartige Keynotes & Workshops, Launchevent Code for Germany, Kickoff Open Glam & Open Science AGs uvm.

Um trotz der Kürze des OKFestivals von nur knapp drei Tagen möglichst viel Austausch zu haben, gab es in diesem Jahr eine ganze Reihe von Zusatzveranstaltungen vor und nach dem eigentlichen Event. Beispielsweise wurden die Arbeitsgruppen Open Science (Mailingliste) und OpenGLAM (Mailingliste) in Deutschland gegründet - wer mitmachen will, kann sich via Mailingliste melden.

Schon am Montagabend, kurz vor dem offiziellen Start des OKFestivals 2014, fand der Launch von Code for Germany in der Kulturbrauerei statt. Gemeinsam mit Partnern und Unterstützern aus aller Welt wurde das Programm der anwesenden Presse, Politik und Community vorgestellt.

Am Dienstagabend begann dann der offizielle Teil des OKFestivals. Erstaunliche Menschen aus der ganzen Welt wurden zu den School of Data Fellows ernannt, die mit der Zivilgesellschaft und Journalisten in ihren Regionen arbeiten werden, um die Vorteile von offenen Daten in die Realität zu bringen. Ebenfalls am Dienstag trafen sich Wissenschaftlerinnen und Aktivisten ausLändern wie Indonesien, Indien, Brasilien, Nigeria, Kenya, um ihre Forschungsprojekte zur Wirkung von offenem Wissen vorzustellen und zu diskutieren.

Am Mittwoch hörten wir inspirierende Keynotes von Patrick Alley, Gründer der NGO Global Witness, der eindrucksvoll von der Notwendigkeit berichtete Finanztransaktionsdaten zu veröffentlichen, um Korruption weltweit aufzudecken. Diese Keynote stand stellvertretend für eines der großen Themen des OKFestivals, das in einer Vielzahl von Sessions („Power, politics, inclusion and voice“ oder „Can open data go wrong?“) ausgiebig diskutiert wurde: Relevanz und Wirkung von Offenem Wissen.

OKFestival-2014-3 Photo by Marieke Guy under CC BY 2.0

Der Donnerstag begann mit einer Keynote von Neelie Kroes, bis November noch Vize Präsidentin der Europäischen Kommission, über die Bemühungen der EU für die Öffnung von Wissen und Verwaltungsdaten. Im Anschluss demonstrierte Eric Hysen von Google (einer der Hauptsponsoren des OKFestivals) in seiner Keynote u.a. die Möglichkeiten von Open Data. Er gab ausserdem einen Überblick über den Stand der Offenheit von Datan weltweit und forderte mit „Open is not enough, data should also be structured, licensed and updated“ dazu auf, nicht nur Daten zu veröffentlichen, sondern auch die Nachnutzung zu ermöglichen und zu fördern. In weiteren Workshops am Nachmittag wurde zusammen an den Themen Überwachung, Open Design, Story finding & story-telling und vielem mehr gemeinsam gearbeitet.

Wie schon auf früheren „Open“ Veranstaltungen wurde auch auf dem OKFestival 2014 wieder deutlich, dass Offenheit und Open Data kein Luxus der reichen Länder ist, sondern schon heute konkret zu Verbesserung von Politik und Gesellschaft in ganz unterschiedlichen Ländern beiträgt. Auch die Keynotes von Beatriz Busaniche, Gründerin der Wikimedia Argentinien und von der genialen Ory Okolloh, Aktivistin, Rechtsanwälting und Bloggerin aus Kenia zeigten deutlich, dass Open Data weltweit relevant ist. In den vielen Workshops während des OKFestivals hatten die Teilnehmer dann die Gelegenheit, von einander zu lernen und nach neuen Wegen zu suchen, damit offenes Wissen tatsächlich zu Veränderungen für die Bürger führt. Der diesjährige Fokus auf besonders partizipative Veranstaltungsformate förderte diesen Austausch.

Das OKFestival war aber auch von Innehalten und Nachdenken über die eigene Vorgehensweise geprägt. In vielen Gesprächen wurde über die starke Rolle und partikularen Interessen der beteiligten Firmen und Sponsoren debattiert. Dennoch hielt das die vielen Teilnehmer nicht davon ab, auf dem OKFestival auch die Herausforderungen um die teils mangelhafte Verfügbarkeit von Offenem Wissen gleich aktiv anzugehen: In Flashhacks, z.B. vom Projekt OpenCorporates, ein Register für offene Unternehmensdaten, wurde durch konkrete Aktionen während des Festivals Daten und Informationen geöffnet.

Was wird: Die Debatte um den Erfolg von Open Knowledge, Kritik an Offenheit und noch mehr Austausch

OKFestival-2014-2 Photo by Marieke Guy under CC BY 2.0

Das Open Knowledge Festival 2014 bot mit Bereichen wie offenes Design, offene Entwicklungshilfe, offene Hardware und offene Wissenschaften u.a. (insgesamt 16 Bereiche) eine große Themenbreite, in denen es Bestrebungen gibt, offenes Wissen zu teilen. Mehr Themen und Köpfe, das bedeutet jedoch auch, dass mehr unterschiedliche Interessen und Meinungen auf eine Linie zu bringen sind. Dass dies in den kommenden Jahren gelingt, ist für den weiteren Erfolg der Open Knowledge-Bewegung von großer Bedeutung. Denn ihre potenziellen Gegenspieler, die aus so unterschiedlichen Ecken wie Wissenschaft, Politik und Wirtschaft kommen können, verfügen erfahrungsgemäß über die größeren Ressourcen und vor allem andere Intentionen. Schon auf dem nächste Open Knowledge Festival 2015 könnte sich entscheiden, ob die Bewegung den eigenen kurzfristigen Erfolg auch langfristig meistern und weiterhin gestalten kann. Dazu muss Sie sich auch noch stärker und umfassender mit der Kritik an Openness in den unterschiedlichsten Bereichen befassen und diese selber mitgestalten.

Alle Veranstaltungen, Workshops und Keynotes gibt es auch in der Zusammenfassung auf dem Blog des OKFestivals 2014.