Genau zwei Wochen vor der 7. internationalen Open Access Woche und knapp 10 Jahre nach der Berliner Erklärung, fanden in Hamburg die diesjährigen Open Access Tage statt.

Am 1. und 2. Oktober 2013 kamen die Vertreter der deutschsprachigen Open Access Community zusammen, um über die aktuellen Entwicklungen hin zur Öffnung des Zugangs auf wissenschaftliche Publikationen zu sprechen. Die Diskussionen und der Austausch beschäftigte sich dabei größtenteils mit den institutionellen Herausforderungen für Bibliotheken, Rechenzentren, Rechts- und IT-Fachabteilungen.

Folgende 10 Punkte habe ich von der Veranstaltung mitgenommen. Sie sind in meinen Augen wichtig für die weitere Entwicklung von Open Access in Deutschland:

  1. Die Verschmelzung von Forschungs(förderungs)informationssystemen und Open Access Repositorien kann einen wichtiger Treiber für die Öffnung von Wissenschaft und Forschung (und damit auch Open Access) und zukünftig eine Interessante Quelle für Open (Science) Data Projekte sein. Einfache Bedienbarkeit durch die Universitätsmitarbeiter und die Sicherung der Qualität der Daten stellt dabei eine große Herausforderung dar.
  2. Die Wissenschaftsförderungsinstitutionen sollten Wissenschaftler und Forschungsinstitutionen im Rahmen Ihrer Förderrichtlinien stärker zu Open Access verpflichten und auch zur Verbreitung der Ideale von Open Access beitragen. Leider wird die größte deutsche Wissenschaftsförderungsinstitutionen, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), voraussichtlich nicht kurzfristig in der Lage sein, solch eine Richtlinie zu verabschieden. Das hat laut Dr. Fournier, DFG-Programmdirektor Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme, vor allem politische und insititutionelle Gründe.
  3. Es gibt signifikante Unterschiede zwischen der Verbreitung, Erfahrung und Akzeptanz von Open Access und Selbstarchivierung zwischen den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen, die es bei der Verbreitung und Etablierung von Open Access zu berücksichtigen gilt.
  4. Die deutsche Open Access Community sollte von der Bundesregierung einen nationalen Open Access Erklärung/Plan einfordern, so geschehen in Irland.
  5. Lambert Heller vom Open Science Lab der TIB Hannover forderte dazu auf, „Cyberscientists“/Digitalisierungs-Enthusiasten in den wissenschaftlichen Institutionen, Organisationen und Entscheidungsgremien zu suchen und in die Debatte der digitalen Übertragung und der Entwicklung von Open Access Strategien aktiv mit einzubinden.
  6. Es gibt keinen Grund, dass universitäre Rechenzentren, andere IT Fachabteilungen und Bibliotheken nicht gemeinsam und miteinander an der Digitalisierung und Öffnung von wissenschaftlichen Publikationen arbeiten.
  7. Die universitären Bibliotheken der Zukunft sollten nicht nur Kosten für das offene Publizieren übernehmen (und damit einen Beitrag dazu leisten, die Wissenskommunikation zurück an die Universitäten zu holen), sie sollten auch die Erstellung und den Betrieb von Open Access Journalen und Platformen unterstützen und befördern. Darüber hinaus sollte sich die Bibliothek in diesem Zusammenhang als „Open Access“ Servicedienstleister der Universität verstehen.
  8. Die meisten Universitäten haben Repositorien und die meisten Journale brauchen Plattformen und Ablageplatz für ihre Inhalte, bisher gibt es aber nur zu wenige Universitäten, die sich dafür zur Verfügung stellen. Das muss sich ändern!
  9. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler müssen realisieren, dass sie die Rechte an Ihren Inhalten für die gemeinfreie Nutzung sichern und behalten müssen. Dabei sollte auch beachtet werden, das „Open“ nicht immer gleich Open bedeutet: Alle Beteiligten müssen sich über rechtliche Aspekte der wirklichen Öffnung von Wissenschaft klarwerden, bevor sie von echter Öffnung sprechen.
  10. Studenten und junge Wissenschaftler müssen stärker und regelmäßiger mit den Idealen und Konzepten von Open Access konfrontiert werden (Beispiel). Wir brauchen mehr Aktivitäten bei der Überzeugungsarbeit und weniger Gerede: Es braucht auch mehr OA-Evangelismus bezüglich der Vorteile von Open Access mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs. Darüber hinaus müssen ältere Wissenschaftler und Forscher stärker damit konfrontiert werden, welche Schwächen das aktuelle Publikations- und Reputationssystem aufweist und welche Möglichkeiten zur Dissamination und welche alternative Metriken Open Access für sie aufweist. Die Veränderung hin zum offenen Publizieren muss aus der wissenschaftlichen Community kommen.

Die Gastgeber der Open Access Tage 2013 waren die Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und die ZBW - Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft.

Disclamer: Dieser Beitrag wurde zuerst im Blog des Hybrid Publishing Labs des Centres for Digital Cultures an der Leuphana Universität Lüneburg veröffentlicht. Er wurde aus dem Englischen übersetzt und leicht angepasst.