Der folgende Beitrag ist von Claudia Schwegmann von Open Aid.

Deutschland ist nun wirklich kein “Vorreiter in der weltweiten open data Bewegung. Doch die open data Bewegung arbeitet sich langsam aber sicher in verschiedene staatliche Sektoren, Institutionen und geographische Gegenden der Bundesrepublik vor. Ein Sektor, in dem man bisher sicher war vor open data Forderungen, ist die Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Spätestens seit Ende September hat sich das geändert. In Berlin fand am 28 und 29 September die erste Konferenz zu offenen Daten in der Entwicklungszusammenarbeit auf deutschsprachigem Raum statt.

 

Organisatoren der Open Aid Data Konferenz waren OpenAid e.V., die Open Knowledge Foundation Deutschland, die Heinrich-Böll Stiftung und Transparenz International Deutschland. Im Gegensatz zu anderen open data Veranstaltungen wie zum Beispiel das Open Government Camp in Warschau oder die OKF Annual Conference, kamen bei der Open Aid Data Konferenz nicht die Enthusiasten zusammen, um die Möglichkeiten von open data weiter voranzutreiben. Im Gegenteil. Zielgruppe der Veranstaltung waren Leute, die noch nie von open data gehört haben, die sich jedoch für das Thema Transparenz in der Entwicklungszusammenarbeit interessieren. Ziel der Open Aid Data Konferenz war es, die “aid community” mit der “open data community” in Kontakt zu bringen, um die EZ Community zu inspirieren und um Innovation in der EZ zu fördern.

 

Um dieses Ziel zu erreichen erwartete die Teilnehmer ein Programm vollgepackt mit Beispielen und Erfahrungsberichten von open aid data. Die Bandbreite der Beispiele reichte von der open data Initiative der Weltbank, über die Erfassung und Nutzung von geographischen Daten im Geocoding Projekt von Development Gatesways (USA) bis zur Visualisierungsprojekt der OKFN zum Bundeshaushalt. Thomas Bjelkemann-Pettersson von AKVO aus Schweden begeisterte seine ZuhörerInnen mit der AKVO Projekt, auf der Projekte in standardiserter Form vorgestellt werden und die ein Feedback seitens der Hilfsempfänger erlaubt. Christian Kreutz illustrierte den Nutzen lokaler Daten anhand seines Projektes Frankfurt-gestalten.de. Die gesamte Liste der Beispiele ist auf der Konferenzwebseite aufgeführt.

 

Das Konzept ist aufgegangen. Das Feedback der Teilnehmer war sehr positiv. “Die Konferenz des Jahres”, “sehr inspirierend”, “ich bin begeistert”, “klasse”! Für viele EZ Experten haben die Beispiele tatsächlich ganz neue Möglichkeiten eröffnet. Damit ist zumindest ein Anfang für open data in der deutschen EZ gemacht. Sehr viel mehr wird jedoch nötig sein, um dieses Thema tatsächlich in den staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen der EZ zu etablieren.

 

Damit offene Daten kein Selbstzweck werden, müssen “open data ecosystems” geschaffen werden, wie es Jose Alsonso von der Web Foundation schreibt. Daten müssen nicht nur offen zur Verfügung gestellt werden, sondern auch die Übersetzung in relevante Informationen und die Nutzung für administrative Verbesserungen, politische Entscheidungsfindung, bessere Dienstleistungen etc. muss gefördert werden. Von einem der Begründer des Internets, Tim Berners-Lee, stammt die oft zitierte Aussage, dass offene Daten an an der Spitze, in der Mitte und an der Basis einer Behörde oder einer Organisation durchgesetzt werden müssen. Für die EZ heißt dies, das mehr Aufklärungsarbeit sowohl bei Entscheidungsträgern als auch bei Mitarbeiter von staatlichen und nichtstaatlichen Entwicklungshilfeorganisationen nötig ist. Abgeordnete im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung müssen verstehen, warum open data ein “game changer” in der Entwicklungspolitik sein kann. Watchdog Organisationen wie Transparency International oder Global Integrity im Bereich Korruption oder Greenpeace im Umweltbereich müssen open data als wesentliches Instrument ihrer Arbeit erkennen und so gezielt den Bedarf an offenen und leicht zugänglichen Daten erhöhen. Vor allem in den Entwicklungsländern selber sind Bemühungen notwendig, damit die Bürger und Bürgerinnen und ihre gewählten Vertreter Zugang zu mehr Informationen über die EZ erhalten und darauf reagieren können.

 

Für den Verein OpenAid war die Open Aid Data Konferenz ein Highlight. Doch gemessen an den Ziel einer transparenten Entwicklungszusammenarbeit gibt es noch viel Arbeit für die kommenden Jahre.