Am 25.06.2012 hat der Unterausschuss Neue Medien im Deutschen Bundestag eine Anhörung zum Thema „Entwicklung und Stand von Open Data Projekten“ veranstaltet, bei der ich für die OKFN als Experte teilgenommen habe.

Wie meistens bei offiziellen Besprechungen waren sich alle sehr einige darüber, dass mehr offene Daten bereitgestellt werden müssen und dass das Thema für die Stärkung demokratischer Prozesse von großer Bedeutung ist. Konkrete Vereinbarungen oder folgen gibt es bislang nicht.

Die Diskussionen drehten sich letztlich vor allem um den Punkt der wirtschaftlichen Nachnutzbarkeit von Daten - hier herrscht nach wie vor viel Unverständnis auf Seiten einiger Verantwortlicher. Unsere Ansicht dazu ist klar - Daten sind nur dann als wirklich offen zu bezeichnen, wenn sie kommerziell weiterverwendet werden können. Denn mit Steuergeldern erhobene Daten sind, wie Straßen, eine öffentliche Infrastruktur. Auf Grundlage dieser neuartigen Infrastruktur können demokratische Beteiligungprozesse entstehen, neuartiger Journalismus betrieben werden und eben auch Geld verdient werden.

Es gibt nur wenige Beispiele, wo staatliche Akteure Daten verkaufen. Und diese Beispiele zeigen, dass nur ein sehr sehr kleiner Prozentsatz des Umsatzes einer Behörde mit dem Verkauf von Daten gedeckt werden kann. Oftmals überwiegen die Ausgaben für Verwaltung, Marketing und Abrechnung sogar die Einnahmen aus dem Verkauf der Daten.

Pavel Richter von Wikimedia Deutschland zeigte eindrücklich, was freies Wissen in der Praxis bedeuten kann. Zunächst zeigte er ein kleines, schlecht aufgelöstes Bild vom Kniefall Willy Brandts in Warschau. Dannach zeigte er einen Abzug eines hochauflösenden Bildes der Erde, den sog. Erdaufgang. Beide Bilder wurden von staatlichen Mitarbeitern aufgenommen. Das Bild Willy Brandts befindet sich im Bundesarchiv und kann weder für private noch für kommerzielle Zwecke hochauflösend abgerufen und verfielfältigt werden. Das Foto der Erde hingegen, von Astronauten einer Apollo-Mission aufgenommen steht und in der Public Domain - jeder kann es ausdrucken, verteilen und damit machen was immer er / sie für richtig hält.

Anbei finden sich das Wortprotokoll und andere Dokumente der Anhörung zum nachlesen. Einen Videostream bzw. eine Aufzeichnung gab es aus Kapazitätgründen leider nicht.