Menstrual Leave Policy

Die taz hat über die OKF berichtet: In vielen Ländern und Unternehmen wird diskutiert, ob Menstruationsschmerzen und zyklusbedingte Beschwerden durch zusätzliche freie Tage als Teil einer geschlechtergerechten Arbeitswelt anerkannt werden sollten. Solche Regelungen gibt es in einigen Ländern gesetzlich (z. B. in Japan, Südkorea und Taiwan) und in vielen Unternehmen freiwillig. Bei uns gibt es dieses Modell bereits seit 2021, verankert in unserer Menstrual Leave Policy. Wir haben mit Sonja Fischbauer, unserer Organisationsentwicklerin, darüber gesprochen.

Liebe Sonja, seit wann gibt es eine Menstrual Leave Policy in unserer Organisation und warum haben wir sie eingeführt?

Bei der OKF haben wir vor fünf Jahren eine Menstrual Leave Policy eingeführt, um menstruationsbedingte Beschwerden anzuerkennen und zu entstigmatisieren. Schmerzen rund um das Thema Menstruation wurden historisch oft als etwas abgetan, das man einfach aushalten muss. Auch damit verbundene Krankheitsbilder wie Endometriose sind, obwohl sie sehr stark verbreitet sind, vergleichsweise schlecht erforscht. Wir als Organisation wollen mit der Policy ein Zeichen setzen: Dass man es eben nicht einfach aushalten muss, wenn man wegen der Menstruation Schmerzen hat, und dass wir uns als Organisation für Gleichberechtigung in der Gesundheit einsetzen. 

Wie funktioniert die Policy genau?

Der Prozess für Menstrual Leave ist der einer regulären Krankmeldung: in den ersten zwei Tagen ohne, ab dem dritten Tag mit ärztlichem Attest, niemand muss den Krankheitsgrund nennen. Ein Austausch im Team oder in kleineren Gruppen ist aber ausdrücklich willkommen, wenn der Bedarf besteht.

Welche Erfahrungen habt ihr bisher damit gemacht?

Die Rückmeldungen sind durchweg positiv. Wir erwähnen die Menstrual Leave Policy in unseren Stellenausschreibungen, und erhalten dazu immer wieder gutes Feedback. Die Policy ist für viele Menschen ein gesellschaftspolitisches Signal, das dazu beiträgt, dass sie hier gerne arbeiten und sich wohlfühlen. Es gibt immer wieder interessierte Nachfragen, auch von außen, wie das Interview mit der taz zeigt. Im Alltag ist die Policy seit fünf Jahren nahtlos integriert und verläuft im positivsten Sinne unspektakulär.

Einige Menschen kritisieren Menstrual Leave Policies, in etwa, dass sie stigmatisierend wirken oder Diskriminierung verstärken könnten. Was würdest du diesen Personen antworten?

Die Menstrual Leave Policy bedeutet ja nicht, dass man automatisch krank ist wegen Menstruation. Die Policy sagt explizit: Wenn du aufgrund von Menstruationsbeschwerden nicht arbeiten kannst, dann ist das ein legitimer Grund, dich krank zu melden. So wie sich jede Person sich krankmelden kann, wenn sie physische oder psychische Beschwerden hat. Niemand muss über den eigenen Krankheitsgrund sprechen. Aber als Organisation möchten wir einen Raum schaffen, der alle Bereiche der körperlichen und mentalen Gesundheit seiner Mitarbeitenden ernst nimmt. Unsere Erfahrung ist, dass offene Kommunikation und eine lockere, inklusive Haltung dabei helfen, Stigma zu reduzieren.

Unsere Menstrual Leave Policy ist Teil unseres Prinzips Aktivismus von innen: Damit verbinden wir den Anspruch, unsere gesellschaftlichen Forderungen nicht nur nach außen zu vertreten, sondern sie auch innerhalb unseres Teams umzusetzen. Die Werte, die wir uns gesellschaftlich wünschen, sollen sich ebenso in unseren internen Strukturen und im Arbeitsalltag widerspiegeln. Mit unseren Projekten arbeiten wir auf vielen Ebenen an sozialer Gerechtigkeit und Teilhabe - dazu gehört auch der Blick auf die Bedingungen innerhalb unserer Organisation. Das zeigt sich dementsprechend an unserem Umgang mit Mitarbeiter:innen und in der Art, wie wir Personalarbeit gestalten. Wir möchten damit zu fairen und gleichberechtigten Arbeitsbedingungen beitragen.