Im Juni 2013 unterzeichneten die G8-Mitgliedsstaaten, darunter auch Deutschland, die “Open Data Charter“. Die Unterzeichnerländer verpflichten sich damit unter anderem Haushaltsdaten, Unternehmensregister und andere Regierungsinformationen öffentlich zugänglich zu machen und sich gänzlich zur Offenheit zu bekennen, auch um “Transparenz und Innovation” zu fördern (unsere Empfehlungen aus 2014). Eine Implementierung der Prinzipien für offene Daten in die Politik der G8-Staaten sowie deren technischer Implikationen sollte bis 2015 abgeschlossen sein.

Das Center for Data Innovation, ein gemeinnütziges Forschungsinstitut, hat heute in einen Report veröffentlicht, in dem die Bemühungen der einzelnen Staaten im Rahmen der Charter bewertet werden. Die Forscher sehen bei der Umsetzung der Charter in den G7-Staaten erhebliche Unterschiede. Während alle anderen G7-Länder Fortschritte verzeichnen können, liegt Deutschland abgeschlagen auf dem letzten Platz der G7-Staaten (Russland nicht mit eingenommen). Das vernichtende Urteil:

Overall, Germany has performed relatively weakly on its commitments to the Open Data Charter. While Germany has made commitments to involve civil society groups and the developer community in its open data efforts, and offered a detailed release schedule for key data sets, the country’s commitments in the areas of openness by default and usability have been sorely lacking. In addition, Germany delayed releasing its action plan by nine months, and it was the last of the G8 countries to submit a plan. Coupled with the current German government’s staunch refusal to join the Open Government Partnership, these facts call into question how seriously Germany is taking its Open Data Charter commitments.

Was der Report aber unterschätzt: Es passiert etwas in Deutschland, so sind das kürzlich gestartete Public Community Partnership und die heute gelaunchte Beteiligungsplattform zum Open Data Aktionsplan erste positive Schritte. Aber es fehlt weiterhin an politischen Commitment und Ressourcen für das Thema.

Dennoch ist das schlechte Abschneiden auch deshalb sehr brisant, weil Deutschland in diesem Jahr den G7-Vorsitz inne hat und im Juni den Gipfel ausrichtet. Ein möglicher Ausweg wäre sicher endlich den Beitrittsprozess zur OGP zu starten - um sich nicht ganz zu blamieren, am Besten auf dem G7-Summit im Juni 2015.

Bitte helft die Open Data Charter in Deutschland doch noch zum Erfolg und beteiligt euch mit Vorschlägen unter http://open-data-aktionsplan.de.

Disclamer: Dieser Artikel ist in leicht veränderter Form zuerst auf der Webseite des Arbeitskreis für einen Beitritt Deutschlands zur OGP erschienen.