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Studie zur Offenheit der Parlamente in Deutschland, Österreich und der Schweiz

April 8, 2013 in Featured, offene Daten

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Im folgenden Gastbeitrag stellt Markus Schmidt, die Studie “Opening Parlament in Deutschland, Österreich und der Schweiz” vor, im Rahmen einer Vorlesung “Digitale Nachhaltigkeit in der Wissensgesellschaft”.

Seit ihrer Veröffentlichung im September 2012, möchte die “Erklärung zur Parlamentarischen Offenheit“, ein neues Problembewusstsein für die Offenheit und Transparenz in Parlamenten schaffen. Die Deklaration wird von zahlreichen Parliamentary Monitoring Organizations (PMOs) weltweit unterstützt und liegt jetzt auch in einer Deutschen Übersetzung vor.

Während des Kurses “Digitale Nachhaltigkeit” an der ETH Zürich mit Marcus Dapp habe ich die ersten Kammern der nationalen Parlamente in Deutschland, Österreich und der Schweiz, den Bundestag sowie den Österreichischen und Schweizer Nationalrat untersucht. Ziel der Untersuchung war es, die Forderungen von Opening Parliament mit den aktuellen Stand in den Parlamenten zu vergleichen.

In diesen Ländern ist der Lebensstandard hoch und die technische Entwicklung fortgeschritten. Deswegen war in der Untersuchung vor allem der Zugang zu Informationen und ihre technische Realisierung von Interesse.

Der technische Stand der Internetauftritte der Parlamente ist zufriedenstellend. Abgesehen von der verschlüsselten Übertragung der Daten, welche nur beim Deutschen Bundestag möglich ist, sind alle Seiten gut strukturiert und zugänglich.

Ein Problem der verfügbaren Informationen: Einige Daten sind nur in proprietären Formaten verfügbar, welches ein Hindernis beim Abrufen sein kann. Nur PDF ist in allen drei Parlementen vorhanden. Leider kann aber gerade PDF nicht von Maschinen ausgelesen und weiterverarbeitet werden. Warum Formate wie PDF grundsätzlich nicht für offene Regierungsdaten geeignet sind, hat die Sunlight Foundation anschaulich zusammengefasst. Keines stellt Multimediainhalte in offenen Formaten zur Verfügung.

Außerdem ist auch das Ergebnis in Bezug auf Open Data schwach. Nur der Nationalrat Schweiz stellt offiziell Informationen im XML-Format zur Verfügung. Aber diese Dateien beinhalten nur allgemeine Statistiken zur Verfügung. Sinnvolle Daten für die parlamentarische Überwachung fehlen.

Wie geht es weiter? Die Enquete Kommission des Deutschen Bundestages endete ohne ein nennenswertes Ergebnis. The Frage, ob sich eine neue Sensibilität bei den Parlamentariern in Bezug auf Opening Parliament entwickelt hat, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Im Schweizer Nationalrat gibt es eine überparlamentarische Gruppe, welche viele der Ziele von Opening Parliament verfolgt. Aktuell kann meine keine Entwicklung im Österreichischen Nationalrat erkennen, während die Regierung eine aktive Rolle bei der Verbreitung von Open Government Data spielt.

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden. Sie steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Schweiz Lizenz.

Erklärung zur Parlamentarischen Offenheit

March 25, 2013 in Featured, Transparenz

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Die Erklärung zur parlamentarischen Offenheit ist ein Aufruf zivilgesellschaftlicher Akteure an die nationalen Parlamente sowie die regionalen und länderübergreifenden gesetzgebenden Institutionen, stärker für Offenheit und Bürgerbeteiligung in der parlamentarischen Arbeit einzutreten. Zivilgesellschaftliche Organisationen, die Parlamente beobachten (Parliamentary Monitoring Organizations, PMO) bekommen zunehmend Anerkennung dafür, dass sie Bürgern parlamentarische Informationen besser zugänglich zu machen, dass sie es Bürgern erleichtern, an parlamentarischen Prozessen teilzuhaben und dafür, dass sie den Rechenschaftsdruck auf Parlamente erhöhen.

Während PMO sehr für einen einfacheren Zugang zu Regierungs- und Parlamentsdaten eintreten, erkennen sie als Voraussetzung für Parlamentsreformen auch die Notwendigkeit eines verstärkten und gemeinschaftlichen Dialogs mit den Parlamenten dieser Welt an. Somit versteht sich die Erklärung zur Parlamentarischen Offenheit nicht bloß als Handlungsaufforderung, sondern auch als Grundlage für den Dialog zwischen PMOs und Parlamenten. Ziel ist dabei, die Offenheit von Regierungen und Parlamenten zu fördern, durch Offenheit bürgerschaftliches Engagement zu stärken und repräsentativere Institutionen zu erreichen – all das führt in letzter Instanz zu einer demokratischeren Gesellschaft.

Dank Michael Hörz haben wir jetzt eine deutsche Übersetzung der “Declaration on Parliamentary Openness“. Die Übersetzung kann allen, die sich in Deutschland für mehr Transparenz und offene Daten einsetzen, als Argumentationshilfe dienen. Die deutsche Version kann neben den Übersetzungen in andere Sprachen auf der Projektseite und in unserem Wiki eingesehen werden. Die Deklaration ist in der Public Domain und somit gemeinfrei.

Von Open Data zu GovData: Warum Deutschland die Initiative Open Government Partnerhship braucht

February 19, 2013 in Featured, Transparenz

Reichstag

Wir haben schon seit Längerem den Eindruck, dass es Deutschlands Politik bezüglich Transparenz und Rechenschaft an Führung und Verpflichtung mangelt. Die Open Data Community versucht zwar immer wieder echtes Open Government einzufordern, die Ergebnisse bleiben bislang leider enttäuschend. Der Beitritt Deutschlands zur internationalen Initiative Open Government Partnership, könnte Teil einer Lösung sein.

Was bisher passiert ist: Deutschland verkorkst das Thema Open Government

Im letzten Jahr veröffentlichte das Bundesinnenministerium eine Studie zum Thema Open Government Data. Im Sommer verkündete das Ministerium, es würde die Handlungsempfehlungen aufnehmen und begann mit der Planung und Umsetzung eines Open Government Data Portals auf Bundesebene. Read the rest of this entry →

Einladung: Wie transparent ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit?

February 6, 2013 in Featured, Termine

dachli

Die Hertie School of Governance, Transparency International Deutschland und ONE laden zur folgenden Veranstaltung ein:

“Wie transparent ist die deutsche Entwicklungszusammenarbeit? Erkenntnisse aus vier Partnerländern”

Am 14. Februar 2013 12:30 – 14.00 Uhr, Raum 3.32 Hertie School of Governance Friedrichstraße 180, 10117 Berlin

Mit Beiträgen von:

    Ursula Müller (Abteilungsleiterin, Grundsatzfragen und politische Steuerung der bilateralen EZ; Sektorale Aufgaben, Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) Sieglinde Gauer-Lietz (Leiterin der Arbeitsgruppe Staatliche Entwicklungszusammenarbeit, Transparency International) Claudia Müller und Sandra Pfluger (Master of Public Policy 2012, Hertie School of Governance) Andreas Hübers (Politischer Referent, ONE)

Auf der Veranstaltung werden in einer offenen Diskussionsrunde mit Experten folgende Fragen diskutiert: Wie transparent agiert die deutsche Entwicklungszusammenarbeit? Ist der Umfang der Transparenz von Land zu Land unterschiedlich? Legen deutsche Entwicklungsinstitutionen gegenüber Akteuren der Partnerländer, wie Parlament und Öffentlichkeit, ausreichend Rechenschaft ab? Wann wird Deutschland die „International Aid Transparency Initiative“ umsetzen und welchen Einfluss hat das auf die Transparenz in den Partnerländern?

Als Einstieg wird eine neue länderübergreifende, qualitative Studie zu Transparenz und Rechenschaftspflicht der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, vorgestellt. Die Studie ist von Transparency International, der Hertie School of Governance und der Columbia University, New York auf der Basis von Untersuchungen in Kolumbien, Liberia, Nepal und Sri Lanka gemeinsam erstellt worden.

Registrierungen sind per E-mail: ercas@hertie-school.org oder per Fax an +49 (0)30 / 259 219 444 möglich.

Bei Rückfragen hilft Natalia Roman, Tel: +49 (0)30 / 259 219 390.

Hintergrund offene-entwicklungshilfe.de

February 4, 2013 in Featured, Transparenz

indikatoren

Wenn man Finanzdaten zur Entwicklungshilfe sucht, gibt es praktisch nur zwei Optionen. Hoch aggregierte Daten beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, wo nur ein paar Zahlen angeboten werden, oder akademisch anmutende Webseiten der OECD, wo man nach Zahlen forschen muss. Offene-Entwicklungshilfe.de soll anders sein. Hier werden Daten anschaulich dargestellt, so dass man einfach durch die Zahlen wandern kann, statt komplizierte Anwendungen zu bedienen. Außerdem gibt es hier detaillierte alle staatlichen Ausgaben der Entwicklungshilfe nach Ländern, Schwerpunkten und bis auf die Projektebene.

Entwicklungshilfe ist aus finanzieller Sicht ein großer Sektor. Allein die OECD Länder gaben in 2011 129 Milliarden US Dollar an ODA-Mitteln für die Entwicklungszusammenarbeit aus. Große Summen fließen zu tausenden von Organisationen und in vielen Projekten. Transparent fließen diese Steuergelder nur bedingt. Es gibt praktisch in keinem Entwicklungsland eine Übersicht wer, was, wo, wann macht? Das dies immer wieder zu ineffizienten Geldvergabe führt ist kein Geheimnis. Read the rest of this entry →

Offene Daten gegen Armut?

January 15, 2013 in Featured, Transparenz

Gibt es in der Entwicklungszusammenarbeit nicht wirklich Wichtigeres als offene Daten? Es gibt in der Tat viele sehr wichtige Themen, um die Armut in weiten Teilen der Welt zu bekämpfen. Das OpenAid Projekt der Open Knowledge Foundation ist überzeugt, dass Transparenz und detaillierte, offene Daten die Voraussetzung dafür sind, um die Entwicklungszusammenarbeit in allen Sektoren (Landwirtschaft, Bildung, Gesundheit, etc.) effizienter zu gestalten. Wichtig für die Entwicklungszusammenarbeit sind beispielsweise offene Daten über soziale, wirtschaftliche Entwicklungen, Klimadaten oder zu landwirtschaftlicher Produktion und zum Handelsverkehr. Ganz zentral für die Entwicklungszusammenarbeit sind auch offene Projektdaten, insbesondere zu den Finanzflüssen.

Claudia Schwegmann präsentiert IATI:

Gegenwärtig ist es kaum möglich für ein beliebiges Entwicklungsland Daten darüber zu finden, welcher Geldgeber, mit welchem Budget Aktivitäten durchführt, mit welchen lokalen Partnerorganisationen und in welcher Region eines Landes. Weder die Steuerzahler und Spender im Norden, noch die Bürger von Entwicklungsländern im Süden sind in der Lage sich einen aktuellen Überblick über alle Projektaktivitäten zu schaffen, geschweige denn diese Projektaktivitäten nachzuverfolgen. Solche Überblick-Informationen sind unerlässlich, um Koordination und Kooperation zu ermöglichen, um Planung zu verbessern, um Korruption zu bekämpfen und um Rechenschaftslegung zu stärken.  

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IFG-Portal “FragDenStaat.de” startet in Berlin und Brandenburg

August 22, 2012 in Open Knowledge Foundation

Ab sofort können Bürger in Berlin und Brandenburg Anfragen an Landes- und Kommunalbehörden über die zentrale Internetseite “FragDenStaat.de” stellen. Die Organisationen Open Knowledge Foundation Deutschland und Transparency International Deutschland haben heute den offiziellen Startschuss für diese beiden Bundesländer gegeben.

Das unabhängige Portal ermöglicht es Bürgern, Anfragen nach den Informationsfreiheitsgesetzen zu stellen. Die Antwort der Behörde wird automatisch an die Plattform geleitet und dort zusammen mit der Anfrage des Nutzers veröffentlicht. Auch die Landes- und Kommunalbehörden Berlins und Brandenburgs sind jetzt eingebunden. Bisher waren Anfragen nur auf Bundesebene und in Nordrhein-Westfalen möglich.

Hier kann jeder/e Anfragen nach dem IFG in Berlin stellen: https://fragdenstaat.de/berlin/ Hier kann jeder/e Anfragen nach dem IFG in Brandenburg stellen: https://fragdenstaat.de/brandenburg/

Wir hoffen, dass motiviert BerlinerInnen und BrandenburgerInnen ihr Recht auf Informationen aus der Verwaltung nun vermehrt wahrzunehmen. Dazu werden wir Vereine und Initiativen aus Berlin und Brandenburg zu einem Informationsfreiheit-Workshop einladen. Mehr dazu bald!

 

Stefan Wehrmeyer, Projektleiter FragDenStaat.de bei der Open Knowledge Foundation: “Endlich haben auch die Bürger in Berlin und Brandenburg die Möglichkeit, ihr Recht auf Informationszugang über FragDenStaat.de wahrzunehmen. Informationsfreiheit ist ein wichtiger Bestandteil demokratischer Teilhabe.”

Christian Humborg, Geschäftsführer von Transparency Deutschland: “FragDenStaat.de wurde für die Bundesebene vor einem Jahr freigeschaltet. Die hohen Nutzerzahlen, aber auch die durch Anfragen verursachten Diskussionen zeigen den großen Erfolg des Portals. Das Onlineportal stärkt die Rechenschaftspflicht der öffentlichen Verwaltung und beugt Korruption vor.”

FragDenStaat.de wurde am 1. August 2011 für die Bundesebene freigeschaltet. Im ersten Jahr wurden insgesamt 2.259 Anfragen gestellt. Nach Abzug von identischen Anfragen verbleiben 624 unterschiedliche Anfragen. Von den 431 originären, öffentlich einsehbaren Anfragen auf Bundesebene waren 102 erfolgreich und 63 teilweise erfolgreich. In 31 Fällen wurde die Anfrage abgelehnt und in 33 Fällen lag die Information nicht vor. In 164 Fällen wurde die Anfrage nicht beantwortet oder der Nutzer hat die Antwort nicht hochgeladen, da sie per Post von der Behörde verschickt wurde. Die gesetzliche Antwortfrist beträgt vier Wochen.

Über FragDenStaat.de

FragDenStaat.de ist ein Projekt der Open Knowledge Foundation Deutschland e.V. mit dem jede(r) Anfragen nach den Informationsgesetzen (Informationsfreiheitsgesetz des Bundes, Umweltinformationsgesetz und Verbraucherinformationsgesetz) einfacher stellen kann. Fragen und Antworten werden transparent auf dieser Seite dokumentiert. Ziel ist es

  • den BesucherInnen das Stellen eines Antrags zu erleichtern;
  • Anfragen und Antworten öffentlich zu dokumentieren;
  • positive wie negative Antwortpraxis einzelner Behörden transparent zu machen;
  • durch die transparente Abbildung des Anfrage- und Antwortprozesses das Thema Informationsfreiheit insgesamt zu stärken.

Vorbild für FragDenStaat.de ist das britische Freedom-of-Information-Portal “What Do They Know” und das deutsche Projekt “Befreite Dokumente“.

Sie können FragDenStaat.de auch auf Twitter finden unter @fragdenstaat.

Zur Open Knowledge Foundation Deutschland Die Open Knowledge Foundation (OKFN) setzt sich für die Veröffentlichung, Nutzung und Wiederverwendung von offenem Wissen ein. Um diese Ziele voran zu treiben, arbeitet sie an Technologien, die eine größere Transparenz des öffentlichen Lebens ermöglichen und mehr Beteiligung von Bürgern gewährleisten.

Zu Transparency Deutschland Transparency International Deutschland e. V. arbeitet deutschlandweit an einer effektiven und nachhaltigen Bekämpfung und Eindämmung der Korruption. Dies ist nur möglich, wenn Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammenarbeiten und Koalitionen gebildet werden. In Arbeits- und Regionalgruppen werden die Ziele an entscheidende Stellen transportiert, Lösungen erarbeitet und gesellschaftliche wie politische Entwicklungen kritisch begleitet.

Transparenzgesetz – Hamburg wird Vorreiter!

June 15, 2012 in Transparenz

Der folgende Artikel ist eine Zusammenarbeit von Daniel Dietrich und Christian Pauschert, der sonst auf tkarten.wordpress.com bloggt.

Hamburg hat am 13.06.12 ein in Deutschland bislang einmaliges Transparenzgesetz beschlossen. Zukünftig müssen Politik und Verwaltung Dokumente von öffentlichem Interesse unaufgefordert und kostenfrei im Internet zur Verfügung stellen. Dazu wird in den nächsten zwei Jahren ein Informationsregister im Internet eingerichtet, wo die Daten frei und annonym zugänglich sein werden.

Damit haben die Bürgerschaftsfraktionen eine der Hauptforderungen der Volksinitiative “Transparenz schafft Vertrauen” übernommen. Zu den Informationen, die dort künftig von Amstwegen veröffentlich werden müssen, gehören u.a. Senatsprotokolle, Gutachten, öffentliche Pläne, Geodaten, Subventionsvergaben und Bau- bzw. Abrißgenehmigungen, sowie insbesondere auch alle Verträge über 100.000 Euro, die im weitesten Sinne die öffentliche Daseinsvorsorge betreffen. Man verspricht sich davon ein wirksames Mittel gegen Steuerverschwendung und Korruption zu erhalten, da die Bürger und die Öffentlichkeit dann frühzeitig und einfach Einblick erhalten.

Besonders erfreulich ist aus unserer Sicht natürlich, dass Dokumente in Formaten veröffentlicht werden müssen, die eine maschinelle Weiterverarbeitung ermöglichen. Dazu heisst es in § 10, Absatz 5:

“(5) Alle veröffentlichten Informationen müssen in einem wieder verwendbaren Format vorliegen. Eine maschinelle Weiterverarbeitung muss gewährleistet sein und darf nicht durch eine plattformspezifische oder systembedingte Architektur begrenzt sein. Das Datenformat muss auf verbreiteten und frei zugänglichen Standards basieren und durch herstellerunabhängige Organisationen unterstützt und gepflegt werden. Eine vollständige Dokumentation des Formats und aller Erweiterungen muss frei verfügbar sein.”

Auch wenn eine eindeutige Aussage zur Verwendung offener Lizenzen fehlt, wird doch die freie Nutzung, Weiterverwendung und Verbreitung der Informationen vorausgesetzt. So heisst es in §10, Absatz 3 und 4:

(3) Die Nutzung, Weiterverwendung und Verbreitung der Informationen ist frei, sofern höherrangiges Recht oder spezialgesetzliche Regelungen nichts anderes bestimmen. Das gilt auch für Gutachten, Studien und andere Dokumente, die in die Entscheidungen der Behörden einfließen oder ihrer Vorbereitung dienen. Nutzungsrechte nach Satz 2 sind bei der Beschaffung von Informationen abzubedingen, soweit sie einer freien Nutzung, Weiterverwendung und Verbreitung entgegenstehen können. (4) Der Zugang zum Informationsregister ist kostenlos und anonym. Er wird über öffentliche Kommunikationsnetze bereitgestellt. Zugang zum Informationsregister wird in ausreichendem Maße in öffentlichen Räumen gewährt.

Aber was genau beinhaltet die “freie Nutzung” in diesem Kontext? Ist kommerzielle Weiterverwendung erlaubt? Wie ist es mit dem Urheberrecht und wie muss die Quellenangabe sein bei Weiterverwertung? Wünschenswert wäre eine klare Aussage, wie etwa: “Daten und Dokumente die Gemeinfrei sind, werden als solche gekennzeichnet. Alle Dokumente die unter das Urheberrecht fallen, werden untere einer offenen Lizenz, im Sinne der Open Definition veröffentlicht.

Ein strittiger Punkt war die Freigabe von Geodaten. Der ursprünglich von der Initiative eingebrachte Entwurf sah vor, kompromisslos alle Geodaten zu veröffentlichen.

In den Verhandlungen mit dem Senat wurde allerdings deutlich, dass sowohl aus vertraglichen als auch datenschutzrechtlichen Gründen nicht alle Geodaten veröffentlicht werden können. Die Bestimmungen zur Freigabe von Geodaten Punkt wurde daher unter Berücksichtigung des Geodateninformationsgesetzes und des Datenschutzgesetzes angepasst. Da bei Gesetzen auf Landesebene höherrangiges Recht (aka Bundesrecht) immer Vorrang hat, musste die Initiative diese Einschränkung hinnehmen.

Trotz der Kompromisse ist mit dem Hamburger Transparenzgesetz das wahrscheinlich umfassendste und progressivste Transparenz- bzw. Informationsfreiheitsgesetz Deutschlands und Europas entstanden. Den kompletten Gesetzestext gibt es hier. Interessant wäre sicherlich den Text mit dem RTI rating zu überprüfen, um zu sehen wie progressiv er im internationalen Vergleich tatsächlich ist.

Insgesamt sind sowohl Prozess als auch Ergebnis durchaus positiv zu bewerten. Herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten! Das macht Mut, das Thema Transparenzgesetz nun auch in anderen Bundesländer und auf Bundesebene zu stärken.

Der Weg zum Hamburger Transparenzgesetz

  • Juli 2011 – Erstes Bündnistrefffen – Entwicklung es Gesetzes in einem öffentlichen Wiki, Einladungen an alle Parteien und Initiativen in Hamburg mitzuarbeiten.

    1. Oktober 2011: Anmeldung der Volksinitiative „Transparenz schafft Vertrauen“
    1. Dezember 2011: Einreichung von 15.119 Unterschriften: Volksinitiative erfolgreich
    1. Februar 2012: Öffentliche Anhörung zum Transparenzgesetz im Justizausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft
    1. April 2012: Einreichung eines überarbeiteten Gesetzentwurfes durch als Basis für ein Volksbegehren im Sommer 2012

*dazwischen: Verhandlungen mit Regierung und Fraktionen , Ausarbeitung des Kompromisses

    1. Juni 2012: Verabschiedung des Hamburgischen Transparenzgesetzes in der Bürgerschaft

Die Bündnispartner

Mehr Demokratie, Transparency, CCC, Piratenpartei, ödp, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, attac und Omnibus für direkte Demokratie, Unterstützt wurde das ganze von Digitale Gesellschaft e.V., Open Knowledge Foundation Deutschland, AK Vorrat und GEW. Gefördert von der Stiftung Bridge und der Wau Holland Stiftung.

Strategische Anregungen zur Öffnung von Haushaltswesen und Haushaltsdaten

December 19, 2011 in Positionen

Der folgende Artikel ist Gastbeitrag von Prof. Dr. Jörn von Lucke, Zeppelin Universität Friedrichshafen, Mitglied des wissenschaftlichen Beitrats der Open Knowledge Foundation Deutschland.

Das öffentliche Haushaltswesen in Deutschland unterliegt auf allen Ebenen Transparenz- und Öffent-lichkeitspflichten. Web 2.0-Technologien tragen derzeit maßgeblich zu einer nachhaltigen Öffnung von Staat und Verwaltung bei. Sie revitalisieren bestehende Berichtsinstrumente und ermöglichen eine intensivere Bürgerbeteiligung in den Haushaltsprozessen von Europäischer Union, Bund, Ländern und Kommunen. Ganz im Sinne von Open Budget 2.0 wird diese Entwicklung über die gesetzlichen Vorgaben zu Haushaltstransparenz, Budgetöffentlichkeit und offene Haushaltsdebatte hinaus vor allem von einer aktiven Umsetzung durch die Verwaltung selbst, der Vernetzung offener Haushaltsdaten und einer Bürgerbeteiligung über soziale Medien geprägt. Zur erfolgreichen Umsetzung solcher Überlegungen sind nicht nur Impulse aus der Wissenschaft (Gutachten der Zeppelin Universität) und Politik erforderlich, sondern es muss auf allen Ebenen neben einer Vision und Zielen auch eine Implementierungsstrategie erarbeitet werden. Ausgangspunkt sind die einzelnen Phasen des Haushaltskreislaufes, jeweils unter Berücksichtigung der Vorstellungen der Bürger, der Politik und der Verwaltung.

Zu Beginn der Überlegungen steht eine Vision, aus der sich ein Leitbild zur weiteren Öffnung von Staat und Verwaltung im Sinne von Open Budget 2.0 ableiten lässt. Daraus ergeben sich konkrete Ziele wie etwa flächendeckend offene Haushaltsdaten, die Durchführung eines Beteiligungshaus-halts, die Einrichtung eines Transparenz- und Haushaltsportals, die tagesaktuelle Einsicht in die Haushaltsbewirtschaftung für alle Bürger oder die Öffnung von Verträgen. Vorschläge zu den Grenzen einer Öffnung sollten ebenso vorliegen. Vision, Leitbild, Ziele und mögliche Umsetzungsstrategien können von der Politik vorgegeben oder von der Verwaltung im Zusammenspiel mit der Politik erarbeitet werden. In diesem Zusammenhang sind Einrichtungen der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft als Vermittler und Impulsgeber besonders gefragt. Offenheit als Vorgabe muss mehrheitsfähig sein, soweit Abstimmungshürden zu überwinden sind. Die Vorstellungen können bei Europäischer Union, Bund, Ländern, Kreisen, Städten und Gemeinden mit Blick auf denkbare Anknüpfungspunkte im Haushaltskreislauf variieren. Ein Beteiligungshaushalt in einer kleineren Gemeinde erscheint beispielsweise mit Präsenzveranstaltungen in seiner Durchführung noch praktikabel. Auf Landes- oder Bundes¬ebene ist derzeit kaum daran zu denken. Heute könnte dies nur mit IT-Unterstützung realisiert werden. Die Veröffentlichung von Rohdaten ist auf allen Ebenen bereits möglich. Die frühzeitige Vereinbarung gemeinsamer technischer Haushalts- und Transparenzstandards hilft, langfristig echte Interoperabilität zu realisieren. Erste Erfahrungen mit der Umsetzung von Open Budget 2.0 sollten sich in einem Fachressort oder Themenfeld gewinnen lassen. Es ist damit zu rechnen, dass es zunächst nur einige Vorreiter auf Landes-, Kreis-, Stadt- und Gemeindeebene geben wird. Ein wikibasiertes Handbuch könnte den inhaltlichen Austausch zu Open Budget 2.0 in Deutschland beschleunigen. Aus einer Mitwirkung Deutschlands an der Open Government Partnership (http://www.opengovpartnership.org) könnten sich weitere wertvolle Impulse im internationalen Austausch ergeben. Ein Erfahrungsaustausch zur Öffnung des Haushaltswesens hilft, um von den theoretischen Potentialen und den real gemachten Erfahrungen anderer Gebietskörperschaften zu profitieren. Aus diesen Erkenntnissen und vorbildhaften Lösungen können Anregungen für eigene Schwerpunkte gewonnen, Hinweise zur Vermeidung von Fehlschlägen gezogen und eine Folgenabschätzung konkretisiert werden.

Bewerbung und Medienpräsenz sind bei jeder Form der Öffnung wichtig. Andernfalls hilft es der öffentlichen Akzeptanz kaum, wenn niemand die Initiative, den transparenten Haushalt und die Mitwirkungsmöglichkeiten kennt. Hier stellt sich die Frage, ob die Bürgerschaft in ihrer Breite oder nur eine kleine intellektuelle Schicht unter Mitwirkung der Presse am öffentlichen Haushalt ein ernst-haftes Interesse hat und sich einbringen kann und wird. So besteht die Sorge, die Bevölkerung sei von Papier und Zahlenwerken bereits überfordert. Marketingkampagnen und Schulungsangebote fördern die Information von Bürgern über die Haushaltstransparenz und deren Qualifikation zur Mitwirkung. Jeder Impuls sollte zählen. Idealtypisch möchte die Bürgerschaft zu jedem Zeitpunkt wissen, was passiert und wie der aktuelle Status ist. Um alle zu ermutigen, sollte über Einflussmöglichkeiten, Ergebnisverwertung und Fristen realistisch informiert werden. Ziel muss eine dauerhafte Mobili-sierung und Beteiligung der Bevölkerung sein. Bei Beteiligungshaushalten kann dies auch über wechselnde Themen erzielt werden. Der Bürger muss jedenfalls spüren, dass er etwas bewirken kann. Wollen Bürger dann jährlich bei der Beschlussfassung von Haushaltsgesetz oder Haushaltssatzung mitstimmen, müssten sie sich selbst in das Parlament oder den Rat wählen lassen.

Eine wichtige Zielgruppe sind Abgeordnete und Räte. Sie haben ein ganz persönliches Interesse an frei zugänglichen Haushaltsdaten, interaktiven Visuali¬sie¬rungen und Transparenzportalen, da solche Aufbereitungen ihnen bei der Meinungsbildung und bei der Vorbereitung komplexer Entscheidungen helfen, die sie in regelmäßigen Abständen treffen müssen. Mit Blick auf die Verschuldung öffentlicher Haushalte und zu erwartender sinkender Steuereinnahmen stellt sich die Frage, wie Open Budget 2.0 etwas zur Lösung der Finanzierungsprobleme von Stadt, Kreis, Land und Bund bei¬tragen könnte. Vielleicht eröffnen Sparhaushalte und der Einblick in die Haushaltsbewirtschaftung auf allen Ebenen ganz neue Akzente. Eine Umsetzung dieser Gedanken sollte allerdings nicht nur durch die Politik von oben nach unten durchgesetzt werden. Ganz im Sinne von Open Government sind auch die Bürger in die Konzeption einer Öffnung des Haushaltswesens einzubinden. Werden deren Vorschläge berück-sichtigt, wächst das Interesse in der Bevölkerung. Der unbedingte Wille der Politik dieses Thema durchzusetzen ist allerdings die Voraussetzung zur Durchführung dieser liberalen Idee. Es gibt also noch viel zu tun. Schließlich befinden wir uns weiterhin in einer digitalen Pionier- und Gründerzeit!

Der Beitrag basiert auf dem TICC-Gutachten “Open Budget 2.0 und Open Budget Data” (PDF). Es liegt auch eine Kurzzusammenfassung des Gutachtens in Deutsch und Englisch vor.

Topic Report 8: Re-use of Parliamentary Data

December 9, 2011 in offene Daten

Ich habe für die ePSIplatform einen weiteren Topic Report über die Nachnutzung von Parlamentsdaten geschrieben. Hier das PDF und einen Auszug des 28 Seitigen Dokuments.

The application of ICT to the documentation of legislative processes has become a growing trend in parliamentary monitoring over the last decade. Different actors such as governments, civil society organisations, citizens and companies have begun to asses and monitor the functioning of parliaments as well as their individual members. This has led to the creation of many websites, tools and services that make use of parliamentary data in order to better explain, analyse, contextualise and visualise how parliaments actually work. Although the objectives of these projects may vary, there is evidence that a growing demand for more parliamentary data to be made available in a structured and machine readable way with open licenses exists. Parliaments themselves and citizens mostly share the same strategic goal of increased access and participation. While the new approaches have opened up a vast range of possibilities for citizens and parliamentarians interaction, these still remain under-utilised.

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  • OGD WG Call
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    Ends: May 2, 2013 - 20:00
    Location: Skype
    Description: Monthly call of the Working Groups Open Government Data and EU Open Data.

    Every 1st Thursday / month at 17:00 UTC / GMT / 18:00 CET / 12:00 EST
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    Ends: May 6, 2013 - 12:00
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    Ends: May 14, 2013 - 20:00
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    Ends: May 18, 2013 - 00:00
    Location: 40221 Düsseldorf; Platz des Landtags 1
    Description: Open.NRW – Vorträge, Diskussionen, Workshops zu Open Government und Open Parliament in Nordrhein-Westfalen
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    Ends: May 25, 2013 - 00:00
    Location: 10117 Berlin; Heinrich-Böll-Stiftung e.V.; Schumannstr. 8
  • Hacks/Hackers #8
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    Ends: May 22, 2013 - 20:00
    Location: Zeit Online, Askanischer Platz 3, 10963 Berlin
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  • Transparenzstammtisch
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    Ends: May 28, 2013 - 22:00
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