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Workshop zu offenen Daten in Essen

April 1, 2013 in Termine

Die Initiative OpenData Ruhr lädt für den 10. April ab 19 Uhr zu einem Workshop in das Essener Unperfekthaus ein: Friedrich-Ebert-Straße 18, 45127 Essen.

Nach dem Gründungstreffen am 19. März will die Initiative einen Schritt weiter gehen und konkrete Projekte für das Ruhrgebiet entwickeln. Verschiedene Städte, wie z.B. Moers, haben vorgemacht, wie man Daten interessierten Bürgern zur Verfügung stellen kann. Diese Idee möchten wir auch im Ruhrgebiet umsetzen. Vorstellbar wäre z.B. ein OpenData Portal oder einen App-Entwicklungs-Tag (Hackday) als gemeinsames Projekt.

Eingeladen zum Workshop sind nicht nur Computer-Spezialisten, sondern alle Interessierte. Schon zum Gründungstreffen kamen Journalisten, Verwaltungsmitarbeiter, Lehrer, Politiker, freie Kartenersteller, OpenSource Programmierer und viele weitere Personen. Weitere Infos und Anmeldung hier: http://openruhr.de/

M. Steinbach zur Open Government Data Plattform Deutschland

February 6, 2013 in Featured, offene Daten

Marian Steinbach hat am 2. Community Workshop zur OGDP Deutschland teilgenommen, der am 2. Februar bei Fraunhofer FOKUS stattfand. Hier ist sein Bericht.

In Kürze wird das Bundesinnenministerium eine Plattform eröffnen, mit der einige Menschen in diesem Land eine gewisse Erwartung verbinden. Eine Erwartung, dass Daten aus den Verwaltungen und Regierungen dieses Landes zugänglicher werden. Dass es einfach möglich sein wird, über eine einzige Plattform auf bedingungslos nutzbare Datenangebote von Bund, Ländern und Kommunen zuzugreifen. Dass Regierungen und Verwaltungen mit diesem Schritt ein gutes Stück transparenter werden und sich neue Möglichkeiten für Dienstleistungen und Innovation auftun.

Diese Erwartung hat in den letzten Wochen einige Dämpfer bekommen. Im Netz wird schon an verschiedener Stelle darüber geschrieben (z. B. von Sebastian Haselbeck auf opengovgermany.com, von Lorenz Matzat auf Netzpolitik.org und von Jan Brennenstuhl auf OpenEverything) und es wird hoffentlich weiter darüber geschrieben werden. Wenn es nach mir geht, gerne auch über die unsichtbaren Grenzen des Netzes hinaus. Gerade weil mich das Thema besonders betrifft, möchte ich gerne ausführlich dazu Stellung nehmen und ein paar Argumente und Hintergründe beisteuern und zur Diskussion stellen. Auch deswegen, weil ich noch nicht recht weiß, wie ich die Situation einordnen soll.

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2. Community Workshop zur Open Government Plattform Deutschland

January 14, 2013 in Featured, Termine

Kurz vor der CeBIT 2013 wird der vom Bundesministerium des Innern und dem Fraunhofer-Institut FOKUS erarbeitete Prototyp der Open Government Plattform Deutschland online gehen. Um sicherzustellen, dass das sich in der letzten Entwicklungsphase befindende Portal so nutzerfreundlich und gewinnbringend wie möglich wird, soll der aktuelle Entwicklungsstand erneut mit Open-Data-Enthusiasten diskutiert und weiterentwickelt werden.

Zu diesem Zweck lädt Fraunhofer FOKUS zum 2. Community Workshop OGPD am 01. Februar 2013 ein, an dem auch die OKF Deutschland teilnehmen wird.

Der Schwerpunkt wird auf folgenden Themen liegen: Benutzerfreundlichkeit des Portals, Rechtliches zum Portal, IT-Sicherheit / Penetration Testing und Frequently Asked Questions. Hier eine Übersichts des Tagesablaufs:

14:00 Willkommen und Kennenlernen 14:30 Vorstellung der aktuellen Version der Plattform 15:30 Workshops - Benutzerfreundlichkeit: Design, Funktionalitäten etc. - Rechtliches: Datenschutz, Nutzungsbedingungen etc. 17:00 Networking bei Kaffee und Kuchen 17:30 Workshops - IT-Sicherheit / Penetration Testing - FAQs 19:00 Zusammenfassung der Workshops und nächste Schritte 19:45 Ausklang

Nähere Details zum Programm befinden sich hier.

Alle Interessenten sind dazu eingeladen, sich unter folgendem Link anzumelden: http://www.amiando.com/CW_OGPD.html.

Die Ergebnisse des ersten Workshops findet ihr auf dem Fraunhofer Open Data Blog.

1st International Open Data Dialogue

November 21, 2012 in offene Daten, Open Knowledge Foundation

Am 5. Und 6. Dezember 2012 findet die Konferenz 1. International Open Data Dialogue statt, zu dem sich Vertreter aus Unternehmen, der Wissenschaft und Verwaltung bei Fraunhofer FOKUS in Berlin zusammenfinden werden. Natürlich sind auch bei diesem Event interessante Speaker vorgesehen, u.a. Nigel Shadboldt, Open Data Institute; Rufus Pollock, OKF, Daniel Dietrich, OKF DE; Felix Sasaki, W3C, und viele andere Open-Data-Experten. Hier ist das vielversprechende Programm und geht es zur Anmeldung.

Und es kommt noch besser: Im Anschluß an die Konferenz lädt die OKF DE Interessierte und Konferenzteilnehmer zu einem Get-Together in ihrem neuen Büro ein. Kommt vorbei und diskutiert mit!

#OERcamp – 14.–16. September 2012, Uni Bremen

August 25, 2012 in Termine

Einladung zum #OERcamp 2012, das Barcamp zu digitalen und offenen Lehr-Lern-Materialien, 14.–16. September 2012 an der Uni Bremen.

Wo im Internet finde ich Unterrichtsmaterialien, die ich bedenkenlos herunterladen und weiterbearbeiten kann? Darf ich ein YouTube-Video in einer Unterrichtssituation via Beamer zeigen? Was genau darf man eigentlich kopieren, wie oft und für wen? Stimmt es, dass ich Unterrichtsmaterialien gar nicht digitalisieren darf, nicht einmal für mich zu Hause? Woher kriege ich Bilder für Arbeitsblätter und Präsentationen, die ich nicht wegen Urheberrechtsverletzungen verstecken muss?

Und was hat das alles mit “Open Educational Resources” zu tun? Ist das so eine Art “Wikipedia für Lehr-Lern-Materialien”?

Antworten gibt es beim #OERcamp. Das #OERcamp ist eine Tagung zu digitalen und offenen Lehr-Lern-Materialien. Es findet vom 14.-16.9.2012 an der Uni Bremen statt. Die Anmeldung ist für die ersten 100 Personen kostenfrei.

Details stehen im Flyer (PDF) anbei und auf www.oercamp.de

Transparenzgesetz – Hamburg wird Vorreiter!

June 15, 2012 in Transparenz

Der folgende Artikel ist eine Zusammenarbeit von Daniel Dietrich und Christian Pauschert, der sonst auf tkarten.wordpress.com bloggt.

Hamburg hat am 13.06.12 ein in Deutschland bislang einmaliges Transparenzgesetz beschlossen. Zukünftig müssen Politik und Verwaltung Dokumente von öffentlichem Interesse unaufgefordert und kostenfrei im Internet zur Verfügung stellen. Dazu wird in den nächsten zwei Jahren ein Informationsregister im Internet eingerichtet, wo die Daten frei und annonym zugänglich sein werden.

Damit haben die Bürgerschaftsfraktionen eine der Hauptforderungen der Volksinitiative “Transparenz schafft Vertrauen” übernommen. Zu den Informationen, die dort künftig von Amstwegen veröffentlich werden müssen, gehören u.a. Senatsprotokolle, Gutachten, öffentliche Pläne, Geodaten, Subventionsvergaben und Bau- bzw. Abrißgenehmigungen, sowie insbesondere auch alle Verträge über 100.000 Euro, die im weitesten Sinne die öffentliche Daseinsvorsorge betreffen. Man verspricht sich davon ein wirksames Mittel gegen Steuerverschwendung und Korruption zu erhalten, da die Bürger und die Öffentlichkeit dann frühzeitig und einfach Einblick erhalten.

Besonders erfreulich ist aus unserer Sicht natürlich, dass Dokumente in Formaten veröffentlicht werden müssen, die eine maschinelle Weiterverarbeitung ermöglichen. Dazu heisst es in § 10, Absatz 5:

“(5) Alle veröffentlichten Informationen müssen in einem wieder verwendbaren Format vorliegen. Eine maschinelle Weiterverarbeitung muss gewährleistet sein und darf nicht durch eine plattformspezifische oder systembedingte Architektur begrenzt sein. Das Datenformat muss auf verbreiteten und frei zugänglichen Standards basieren und durch herstellerunabhängige Organisationen unterstützt und gepflegt werden. Eine vollständige Dokumentation des Formats und aller Erweiterungen muss frei verfügbar sein.”

Auch wenn eine eindeutige Aussage zur Verwendung offener Lizenzen fehlt, wird doch die freie Nutzung, Weiterverwendung und Verbreitung der Informationen vorausgesetzt. So heisst es in §10, Absatz 3 und 4:

(3) Die Nutzung, Weiterverwendung und Verbreitung der Informationen ist frei, sofern höherrangiges Recht oder spezialgesetzliche Regelungen nichts anderes bestimmen. Das gilt auch für Gutachten, Studien und andere Dokumente, die in die Entscheidungen der Behörden einfließen oder ihrer Vorbereitung dienen. Nutzungsrechte nach Satz 2 sind bei der Beschaffung von Informationen abzubedingen, soweit sie einer freien Nutzung, Weiterverwendung und Verbreitung entgegenstehen können. (4) Der Zugang zum Informationsregister ist kostenlos und anonym. Er wird über öffentliche Kommunikationsnetze bereitgestellt. Zugang zum Informationsregister wird in ausreichendem Maße in öffentlichen Räumen gewährt.

Aber was genau beinhaltet die “freie Nutzung” in diesem Kontext? Ist kommerzielle Weiterverwendung erlaubt? Wie ist es mit dem Urheberrecht und wie muss die Quellenangabe sein bei Weiterverwertung? Wünschenswert wäre eine klare Aussage, wie etwa: “Daten und Dokumente die Gemeinfrei sind, werden als solche gekennzeichnet. Alle Dokumente die unter das Urheberrecht fallen, werden untere einer offenen Lizenz, im Sinne der Open Definition veröffentlicht.

Ein strittiger Punkt war die Freigabe von Geodaten. Der ursprünglich von der Initiative eingebrachte Entwurf sah vor, kompromisslos alle Geodaten zu veröffentlichen.

In den Verhandlungen mit dem Senat wurde allerdings deutlich, dass sowohl aus vertraglichen als auch datenschutzrechtlichen Gründen nicht alle Geodaten veröffentlicht werden können. Die Bestimmungen zur Freigabe von Geodaten Punkt wurde daher unter Berücksichtigung des Geodateninformationsgesetzes und des Datenschutzgesetzes angepasst. Da bei Gesetzen auf Landesebene höherrangiges Recht (aka Bundesrecht) immer Vorrang hat, musste die Initiative diese Einschränkung hinnehmen.

Trotz der Kompromisse ist mit dem Hamburger Transparenzgesetz das wahrscheinlich umfassendste und progressivste Transparenz- bzw. Informationsfreiheitsgesetz Deutschlands und Europas entstanden. Den kompletten Gesetzestext gibt es hier. Interessant wäre sicherlich den Text mit dem RTI rating zu überprüfen, um zu sehen wie progressiv er im internationalen Vergleich tatsächlich ist.

Insgesamt sind sowohl Prozess als auch Ergebnis durchaus positiv zu bewerten. Herzlichen Glückwunsch an alle Beteiligten! Das macht Mut, das Thema Transparenzgesetz nun auch in anderen Bundesländer und auf Bundesebene zu stärken.

Der Weg zum Hamburger Transparenzgesetz

  • Juli 2011 – Erstes Bündnistrefffen – Entwicklung es Gesetzes in einem öffentlichen Wiki, Einladungen an alle Parteien und Initiativen in Hamburg mitzuarbeiten.

    1. Oktober 2011: Anmeldung der Volksinitiative „Transparenz schafft Vertrauen“
    1. Dezember 2011: Einreichung von 15.119 Unterschriften: Volksinitiative erfolgreich
    1. Februar 2012: Öffentliche Anhörung zum Transparenzgesetz im Justizausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft
    1. April 2012: Einreichung eines überarbeiteten Gesetzentwurfes durch als Basis für ein Volksbegehren im Sommer 2012

*dazwischen: Verhandlungen mit Regierung und Fraktionen , Ausarbeitung des Kompromisses

    1. Juni 2012: Verabschiedung des Hamburgischen Transparenzgesetzes in der Bürgerschaft

Die Bündnispartner

Mehr Demokratie, Transparency, CCC, Piratenpartei, ödp, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, attac und Omnibus für direkte Demokratie, Unterstützt wurde das ganze von Digitale Gesellschaft e.V., Open Knowledge Foundation Deutschland, AK Vorrat und GEW. Gefördert von der Stiftung Bridge und der Wau Holland Stiftung.

Tranzparenz in Deutschland – die Chronik des geschlossenen Haushalts

June 15, 2012 in offene Daten

Seit etwa zwei Jahren versuchen wir nun aus offizieller Quelle Zugriff auf die analysierbaren Zahlen des Bundeshaushalts zu erhalten. Während Staaten wie England und die USA längst einen direkten Zugriff auf die eigenen Kassen (also die einzelnen Empfänger öffentlicher Gelder) ermöglichen, scheitert im Bund bereits der einfache Zugriff auf die Budgetdaten. Hier also die beinahe komische Chronik der Diskussion:

  • März 2010: Eine Anfrage des Journalisten Lorenz Matzat wird durch das Bundesministerium der Finanzen (BMF) Aufgrund angeblicher Mißdeutungsgefahr abgelehnt.
  • April 2010: Eine elektronische Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) bleibt unbeantwortet.
  • September 2010: Das Projekt OffenerHaushalt, welches auf gescrapten und vermutlich fehlerhaften Daten beruht, geht ans Netz. BMin Schröder lobt das Projekt per Twitter. Berichterstattung zum Projekt bei ZEIT OnlineSüddeutscheFTDtaz und vielen anderen Medien. Einbindung von OffenerHaushalt auf der Homepage der FDP-Fraktion.
  • Oktober 2010: Weitergabe der gescrapten Haushaltsdaten an Mitarbeiter der Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, Die LINKE und BÜNDNIS90/Die Grünen.
  • November 2010: Weitergabe der gescrapten Daten an Mitarbeiter des Statistischen Bundesamtes in Wiesbaden.
  • Februar 2011: Eine Anfrage des Abgeordneten Michael Kretschmer (CDU) wird durch den parl. Staatssekretär Steffen Kampeter (CDU) abgelehnt.
  • März 2011: Bei einem Termin im BMF kündigt ein Mitarbeiter des Referats Öffentlichkeitsarbeit die Veröffentlichung der Daten für den August 2011 an.
  • August 2011: Eine Anfrage der Abgeordneten Sebastian Blumenthal (FDP) und Otto Fricke (FDP, haushaltspolitischer Sprecher) wird durch das BMF abgelehnt.
  • November 2011: Das BMF lässt durch eine Agentur für 40.000 EUR eine eigene Visualisierungsseite, bundeshaushalt-info.de, entwickeln. Diese wird jedoch nicht freigeschaltet.
  • Januar 2012: Eine erneute Anfrage nach dem IFG wird vom Ministerium beantwortet – mit einem negativen Bescheid. Die Europäische Kommission beantwortet eine gleichlautende Anfrage innerhalb von drei Wochen positiv.
  • April 2012: In der Antwort auf eine kleine Anfrage der LINKEN gibt die Bundesregierung an, die Veröffentlichung einer Excel-Datei sei für den Sommer geplant.
  • April 2012: Weitergabe der gescrapten Daten an Mitarbeiter der europäischen Kommission.
  • Mai 2012: Das Ministerium gibt gegenüber dem Bundesbeauftragten für die Informationsfreiheit an, keine XML-Version des Haushalts zu speichern.

Wir bleiben gespannt. Dieser Artikel wurde zuerst in Friedrich Lindenbergs Blog veröffentlicht.

Eckpunktepapier für Offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln

June 5, 2012 in offene Daten

Bund und Länder arbeiten in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe an einem Eckpunktepapier für Offenes Regierungs- und Verwaltungshandeln (Open Government) in Deutschland. Die darin festgehaltenen Leitlinien zu Transparenz, Teilhabe und Zusammenarbeit sollen die Grundlage vor allem für die technische Ausgestaltung von Open Government und Open Data in Deutschland bilden.

Dabei soll sich die interessierte Öffentlichkeit aktiv an der Gestaltung des Eckpunktepapiers beteiligen. Hierzu wird es vom 5. bis 22. Juni 2012 unter www.e-konsultation.de/opengov die Möglichkeit geben, das Eckpunktepapier zu diskutieren, zu kommentieren und kritisch zu begleiten. Die Ergebnisse dieser Online-Konsultation werden in die Beratungen des IT-Planungsrates zum Eckpunktepapier einfließen.

Die Bund-Länderarbeitsgruppe wünscht sich eine möglichst breite Beteiligung und viele qualitätsvolle Beiträge zum Entwurf des Eckpunktepapiers.

Studie zur Berliner Open Data Strategie veröffentlicht

February 17, 2012 in offene Daten

Nach der Freischaltung des Berliner Open Data Portals im September 2011 wurden nun die Ergebnisse einer Strategie-Studie zur Öffnung der Datenbestände im Land Berlin vorgestellt. Die von Fraunhofer FOKUS erstellte Studie wurde vom Staatssekretärsausschuss für die Verwaltungsmodernisierung in Auftrag gegeben. Sie betrachtet sowohl organisatorische sowie technische und rechtliche Fragen bei der Öffnung staatlicher Datenbestände. Darüber hinaus wurden Handlungsempfehlungen an Politik, Verwaltung und Technik formuliert, die in einem Mehrstufenplan umgesetzt werden sollten. Vollständige Studie und Kurzfassung.

Hintergrund

Der nun vorgestellten Studie wie auch der Umsetzung des Datenportals sind viele Treffen der Aktionsplattform Open Data Berlin vorausgegangen. Die Aktionsplattform ist ein Runder Tisch mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft der sich seit Ende 2010 regelmässig trifft um in Sachen Open Data in Berlin weiter zu kommen. Die Treffen haben dazu beigetragen Vertrauen zwischen Verwaltung und Open Data Bewegung aufzubauen.

Die Aktionsplattform hat mit dem Berlin Open Data Day (BODDy) und der Berlin Open Data Agenda die Vorraussetzungen für die langsame Öffnung von Daten des öffentlichen Sektors in Berlin gelegt. Dass diese Öffnung aus unserer Sicht viel zu lange dauert ist eine Sache, dass dies dennoch eine der ganz wenigen Erfolgsgeschichten für offene Daten in Deutschland ist, darauf dürfen wir alle schon ein bisschen stolz sein.

Was kommt als nächstes?

Das Aktionsbündnis trifft sich einmal im Monat. Hier ist unsere offene Mailingliste. Derzeit arbeiten wir an den Vorbereitungen für den Berlin Open Data Day 2012! Interessierte sind herzlich eingeladen mitzuhelfen!

Strategische Anregungen zur Öffnung von Haushaltswesen und Haushaltsdaten

December 19, 2011 in Positionen

Der folgende Artikel ist Gastbeitrag von Prof. Dr. Jörn von Lucke, Zeppelin Universität Friedrichshafen, Mitglied des wissenschaftlichen Beitrats der Open Knowledge Foundation Deutschland.

Das öffentliche Haushaltswesen in Deutschland unterliegt auf allen Ebenen Transparenz- und Öffent-lichkeitspflichten. Web 2.0-Technologien tragen derzeit maßgeblich zu einer nachhaltigen Öffnung von Staat und Verwaltung bei. Sie revitalisieren bestehende Berichtsinstrumente und ermöglichen eine intensivere Bürgerbeteiligung in den Haushaltsprozessen von Europäischer Union, Bund, Ländern und Kommunen. Ganz im Sinne von Open Budget 2.0 wird diese Entwicklung über die gesetzlichen Vorgaben zu Haushaltstransparenz, Budgetöffentlichkeit und offene Haushaltsdebatte hinaus vor allem von einer aktiven Umsetzung durch die Verwaltung selbst, der Vernetzung offener Haushaltsdaten und einer Bürgerbeteiligung über soziale Medien geprägt. Zur erfolgreichen Umsetzung solcher Überlegungen sind nicht nur Impulse aus der Wissenschaft (Gutachten der Zeppelin Universität) und Politik erforderlich, sondern es muss auf allen Ebenen neben einer Vision und Zielen auch eine Implementierungsstrategie erarbeitet werden. Ausgangspunkt sind die einzelnen Phasen des Haushaltskreislaufes, jeweils unter Berücksichtigung der Vorstellungen der Bürger, der Politik und der Verwaltung.

Zu Beginn der Überlegungen steht eine Vision, aus der sich ein Leitbild zur weiteren Öffnung von Staat und Verwaltung im Sinne von Open Budget 2.0 ableiten lässt. Daraus ergeben sich konkrete Ziele wie etwa flächendeckend offene Haushaltsdaten, die Durchführung eines Beteiligungshaus-halts, die Einrichtung eines Transparenz- und Haushaltsportals, die tagesaktuelle Einsicht in die Haushaltsbewirtschaftung für alle Bürger oder die Öffnung von Verträgen. Vorschläge zu den Grenzen einer Öffnung sollten ebenso vorliegen. Vision, Leitbild, Ziele und mögliche Umsetzungsstrategien können von der Politik vorgegeben oder von der Verwaltung im Zusammenspiel mit der Politik erarbeitet werden. In diesem Zusammenhang sind Einrichtungen der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft als Vermittler und Impulsgeber besonders gefragt. Offenheit als Vorgabe muss mehrheitsfähig sein, soweit Abstimmungshürden zu überwinden sind. Die Vorstellungen können bei Europäischer Union, Bund, Ländern, Kreisen, Städten und Gemeinden mit Blick auf denkbare Anknüpfungspunkte im Haushaltskreislauf variieren. Ein Beteiligungshaushalt in einer kleineren Gemeinde erscheint beispielsweise mit Präsenzveranstaltungen in seiner Durchführung noch praktikabel. Auf Landes- oder Bundes¬ebene ist derzeit kaum daran zu denken. Heute könnte dies nur mit IT-Unterstützung realisiert werden. Die Veröffentlichung von Rohdaten ist auf allen Ebenen bereits möglich. Die frühzeitige Vereinbarung gemeinsamer technischer Haushalts- und Transparenzstandards hilft, langfristig echte Interoperabilität zu realisieren. Erste Erfahrungen mit der Umsetzung von Open Budget 2.0 sollten sich in einem Fachressort oder Themenfeld gewinnen lassen. Es ist damit zu rechnen, dass es zunächst nur einige Vorreiter auf Landes-, Kreis-, Stadt- und Gemeindeebene geben wird. Ein wikibasiertes Handbuch könnte den inhaltlichen Austausch zu Open Budget 2.0 in Deutschland beschleunigen. Aus einer Mitwirkung Deutschlands an der Open Government Partnership (http://www.opengovpartnership.org) könnten sich weitere wertvolle Impulse im internationalen Austausch ergeben. Ein Erfahrungsaustausch zur Öffnung des Haushaltswesens hilft, um von den theoretischen Potentialen und den real gemachten Erfahrungen anderer Gebietskörperschaften zu profitieren. Aus diesen Erkenntnissen und vorbildhaften Lösungen können Anregungen für eigene Schwerpunkte gewonnen, Hinweise zur Vermeidung von Fehlschlägen gezogen und eine Folgenabschätzung konkretisiert werden.

Bewerbung und Medienpräsenz sind bei jeder Form der Öffnung wichtig. Andernfalls hilft es der öffentlichen Akzeptanz kaum, wenn niemand die Initiative, den transparenten Haushalt und die Mitwirkungsmöglichkeiten kennt. Hier stellt sich die Frage, ob die Bürgerschaft in ihrer Breite oder nur eine kleine intellektuelle Schicht unter Mitwirkung der Presse am öffentlichen Haushalt ein ernst-haftes Interesse hat und sich einbringen kann und wird. So besteht die Sorge, die Bevölkerung sei von Papier und Zahlenwerken bereits überfordert. Marketingkampagnen und Schulungsangebote fördern die Information von Bürgern über die Haushaltstransparenz und deren Qualifikation zur Mitwirkung. Jeder Impuls sollte zählen. Idealtypisch möchte die Bürgerschaft zu jedem Zeitpunkt wissen, was passiert und wie der aktuelle Status ist. Um alle zu ermutigen, sollte über Einflussmöglichkeiten, Ergebnisverwertung und Fristen realistisch informiert werden. Ziel muss eine dauerhafte Mobili-sierung und Beteiligung der Bevölkerung sein. Bei Beteiligungshaushalten kann dies auch über wechselnde Themen erzielt werden. Der Bürger muss jedenfalls spüren, dass er etwas bewirken kann. Wollen Bürger dann jährlich bei der Beschlussfassung von Haushaltsgesetz oder Haushaltssatzung mitstimmen, müssten sie sich selbst in das Parlament oder den Rat wählen lassen.

Eine wichtige Zielgruppe sind Abgeordnete und Räte. Sie haben ein ganz persönliches Interesse an frei zugänglichen Haushaltsdaten, interaktiven Visuali¬sie¬rungen und Transparenzportalen, da solche Aufbereitungen ihnen bei der Meinungsbildung und bei der Vorbereitung komplexer Entscheidungen helfen, die sie in regelmäßigen Abständen treffen müssen. Mit Blick auf die Verschuldung öffentlicher Haushalte und zu erwartender sinkender Steuereinnahmen stellt sich die Frage, wie Open Budget 2.0 etwas zur Lösung der Finanzierungsprobleme von Stadt, Kreis, Land und Bund bei¬tragen könnte. Vielleicht eröffnen Sparhaushalte und der Einblick in die Haushaltsbewirtschaftung auf allen Ebenen ganz neue Akzente. Eine Umsetzung dieser Gedanken sollte allerdings nicht nur durch die Politik von oben nach unten durchgesetzt werden. Ganz im Sinne von Open Government sind auch die Bürger in die Konzeption einer Öffnung des Haushaltswesens einzubinden. Werden deren Vorschläge berück-sichtigt, wächst das Interesse in der Bevölkerung. Der unbedingte Wille der Politik dieses Thema durchzusetzen ist allerdings die Voraussetzung zur Durchführung dieser liberalen Idee. Es gibt also noch viel zu tun. Schließlich befinden wir uns weiterhin in einer digitalen Pionier- und Gründerzeit!

Der Beitrag basiert auf dem TICC-Gutachten “Open Budget 2.0 und Open Budget Data” (PDF). Es liegt auch eine Kurzzusammenfassung des Gutachtens in Deutsch und Englisch vor.

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